• eine Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport -
    Wiesbaden. Der Hessische Innenminister Peter Beuth und der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus Uwe Becker haben heute die Entscheidung des Landes Hessen bekannt gegeben, dass das Demokratiezentrum Hessen an der Universität Marburg beauftragt wurde, eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle aufzubauen.

„Um ein möglichst komplettes Bild über antisemitische Vorfälle zu erhalten und damit auch die Möglichkeit, kritischen Entwicklungen schnellstmöglich präventiv entgegenzuwirken, bauen wir eine zentrale landesweite Meldestelle auf. Mit diesem Angebot schaffen wir eine zentrale Anlaufstelle für ganz Hessen, bei der Jüdinnen und Juden aber auch nichtjüdische Hessinnen und Hessen antisemitische Vorfälle melden können, die ihnen selbst widerfahren sind oder die sie beobachtet haben. Mit dem Demokratiezentrum haben wir einen erfahrenen und professionell arbeitenden Partner gewinnen können, mit dem wir eine wichtige Einrichtung im Kampf gegen den wachsenden Antisemitismus aufbauen wollen. Hessen setzt damit ein klares Zeichen gegen Antisemitismus“, so Innenminister Peter Beuth.

Das Demokratiezentrum an der Universität Marburg ist seit vielen Jahren aktiv im Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Salafismus. Seit 2007 berät es Hilfesuchende, Schulen, Eltern, Familienangehörige, Kommunen, Vereine, Gewalt- und Diskriminierungsopfer und bietet umfangreiche Präventionsmaßnahmen an.

„Wir wollen für Menschen, denen Judenfeindlichkeit begegnet eine niedrigschwellige Möglichkeit geben, diese zu melden und auch Rat und Hilfestellung anbieten. Daher soll die Meldestelle auch verknüpft werden mit der Beratungs- und Betreuungsarbeit weiterer Träger. Dass die Meldestelle nicht selbst bei jüdischen Organisationen angesiedelt ist, war sowohl dem Land Hessen als auch den Jüdischen Gemeinden in Hessen wichtig, da wir damit unterstreichen wollen, dass der Kampf gegen den Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und nicht allein jene der Jüdischen Gemeinschaft, die selbst Ziel und Opfer von Judenhass ist“, sagte Uwe Becker, Antisemitismusbeauftragter der Hessischen Landesregierung.

Im Vorfeld wurde auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen mit in die Vergabe der Meldestelle einbezogen. „Wir begrüßen es sehr, dass die Hessische Landesregierung eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle einrichtet. Das Demokratiezentrum als neutrale universitäre Einrichtung ist dafür der richtige Ort. Wir wünschen uns, dass jeder Betroffene aber auch jede Bürgerin und jeder Bürger, der Zeuge von antisemitischem Verhalten wird, sich an die Meldestelle wendet. Nur so werden wir ein klares Bild über Antisemitismus erhalten und Gegenmaßnahmen als Gesellschaft einleiten können“, sagte Dr. Jakob Gutmark, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen.

Nach dem Start der Meldestelle soll im weiteren Verlauf des Jahres aus dem Demokratiezentrum Hessen heraus eine unabhängige Trägerstruktur fortentwickelt werden, um möglichst viele Akteure für das Engagement gegen Judenfeindlichkeit vernetzen- und einbinden zu können.

„Wir erhoffen uns, dass wir mit dieser Meldestelle über die heutigen Polizeistatistiken hinaus ein möglichst komplettes Bild von der Art und dem Umfang von Antisemitismus in unserem Land erhalten, um daraus auch weitere Maßnahmen und Instrumente beim Engagement gegen Judenfeindlichkeit ableiten zu können. Gleichzeitig wollen wir Menschen Hilfe und Unterstützung auch dann anbieten, wenn sie unsicher sind, ob konkrete Vorfälle für polizeiliche Meldungen überhaupt geeignet sind. Jeder antisemitische Vorfall, gleich welchen Umfang er hat, ist einer zu viel. Wir möchten daher, dass die Menschen in Hessen wissen, dass sie sich nicht nur melden können, sondern sich auch melden sollten, wenn sich Judenhass vor Ort zeigt. Nur gemeinsam gelingt der Kampf gegen Antisemitismus“, sagten Innenminister Peter Beuth und der Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker.

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